FNP: Die Besetzer lassen niemanden ins Haus

http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/die-besetzer-lassen-niemanden-ins-haus_rmn01.c.9627049.de.html

Im „Institut für vergleichende Irrelevanz“ war die Überraschung ob des Verkaufs durch die Uni gestern groß

Für 1,1 Millionen Euro hat die Goethe-Universität das ehemalige Gebäude für Amerikanistik im Kettenhofweg 130 verkauft. Noch ist es bewohnt.

Das besetzte Uni-Institut im Kettenhofweg 130	F.: tjs

Das besetzte Uni-Institut im Kettenhofweg 130 F.: tjs Als „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IVI) hat das denkmalgeschützte Gebäude von Universitätsbaumeister Ferdinand Kramer für einen gewissen Furor gesorgt in der Zeit der Proteste gegen die Studiengebühren.

Gestern war es ruhig am besetzten Haus. Nur einige Fahrräder standen im Hof, zwei Einkaufswagen, einige Müllsäcke. Vorne in der Einfahrt wartete ein Auto auf dem Behindertenparkplatz. Daneben bildeten Gartenstühle an einigen Tischen ein Stillleben, in einem niedrig gebückten Baum hingen Weihnachtskugeln. „Bitte klopfen“ stand auf einem Papierblatt, das an der Institutstür klebt, umgeklappt, so dass es nicht zu lesen war. Nicht auf den ersten Blick zumindest. Einige Versuche an der Klingel blieben erfolglos. Sie war locker, ihre Kabel hingen frei. Wahrscheinlich war sie stumm, deshalb das „Klopfen“-Schild.

Nach kurzem Poltern an der Tür kam wirklich jemand. Von Innen wurde aufgeschlossen. „Nein, ich kann gar nichts sagen“, so ein junger Mann, der das Haus offenbar gerade verlassen wollte. „Aber ich frage mal.“ Er ging ins Haus zurück. Er vergaß nicht, die Tür hinter sich zu schließen.

Wie eine Burg gesichert

Einige Minuten später öffnete sich die Tür wieder. Der junge Mann von eben hatte noch immer den Rucksack auf dem Rücken. Jetzt verschwand er wirklich. Zwei andere Studenten, einer mit Vollbart, kamen aus dem Institut. Nein, bedeuteten sie, hineingehen ist nicht möglich. Das IVI ist verschlossen und gesichert wie eine Burg.

Und kommunikativ sind die Bewohner auch nicht gerade. Nein, sagte der Bärtige – fast nur er spricht – es sei nicht möglich, derzeit eine Stellungnahme abzugeben. „Wir wussten noch gar nicht, dass das Haus verkauft ist.“ Es sei bekannt, dass es Verhandlungen gebe, ja, auch, dass die Verhandlungen zwischen der Universität und einem Kaufinteressenten weit gediehen seien. Aber mehr wussten die beiden nicht zu sagen.

„Dazu sage ich nichts“

Die beiden wollten wieder zurück ins Innere. „Dies ist ein Institut. Hier wird gelehrt und geforscht“, bedeutete der Bärtige. Und gewohnt? Wird hier auch gewohnt? „Dazu möchte ich nichts sagen.“ Wer kann denn etwas mehr sagen? „Es gibt das Plenum, das entscheidet über Antworten, und es gibt dann Sprecher, die das mitteilen“, sagte der Bärtige. „Das nächste Plenum tagt am Montag.“ Der schnellste Weg, eine Stellungnahme zu bekommen, sei, eine Mail zu schreiben. Die beiden schlossen die Tür und drehten den Schlüssel im Schloss. Zutritt verboten.

Zwei Stunden später verschickte das Institut eine Pressemitteilung. Darin beschwerten sich die Besetzer darüber, dass sie nicht als Erste informiert wurden, dass das Haus verkauft sei. Immerhin werden sie seit acht Jahren geduldet. Das IvI habe sich seitdem zu einem Ort der Verbindung von Wissenschaft, studentischer Kultur und städtischer Öffentlichkeit entwickelt. Eine Vielzahl an Gruppen und Initiativen nutze das IvI für Konzerte und Ausstellungen, Lesekreise und Vorträge, Kongresse und Parties.

Am Mittwoch hatte die Universitätsleitung den Verkauf mitgeteilt (wir berichteten). Wahrscheinlich bleibt der Denkmalschutz für das Gebäude bestehen, wird das Gebäude des Universitätsbaumeisters Ferdinand Kramer nicht abgerissen. Der neue Eigentümer möchte den Besetzern Mietverträge anbieten.tjs (tjs)

Artikel vom 23. Februar 2012, 22.50 Uhr (letzte Änderung 24. Februar 2012, 04.08 Uhr)

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