PM des Arbeitskreis Kritische Geographie Frankfurt

Das Institut für vergleichende Irrelevanz – ein wichtiger Ort des kritisch-geographischen Denkens und Lernens in Frankfurt – muss erhalten bleiben!

Der Arbeitskreis (AK) Kritische Geographie Frankfurt hat die Nachricht des geplanten Verkaufs des Gebäudes im Kettenhofweg 130 seitens der Goethe-Universität mit großer Sorge aufgenommen.

Bei dem Arbeitskreis handelt es sich um einen statusübergreifenden Zusammenschluss aus Professor/innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen und Studierenden des Instituts für Humangeographie der Goethe-Universität und Interessierten.

Der Arbeitskreis kritisiert die intransparente Vorgehensweise des Präsidiums der Goethe-Universität: Die Nutzer/innen des Gebäudes, zu denen auch der AK Kritische Geographie zählt, wurden im Vorfeld nicht von geplanten Verkaufsverhandlungen informiert. Präsidium und Immobilienmanagement der Universität boten den Nutzer/innen des Gebäudes bis dato weder ein Ersatzgebäude noch die Möglichkeit zum Kauf des Gebäudes an. Auch erhielten die Nutzer/innen des Gebäudes bis heute keine Kenntnis über Vertragsbedingungen oder interessierte Käufer/innen. Bekannt wurde aus den Äußerungen des Präsidiums über die Ziele des Verkaufs jedoch, dass die Universität vorrangig auf den Kaufpreis abstellt, um den Erlös dem etablierten Wissenschaftsbetrieb zuzuführen. Dabei übersieht das Präsidium der Goethe-Universität, von welch unschätzbarem Wert das im Kettenhofweg 130 ansässige Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI) für die Frankfurter Wissenschaftslandschaft ist.

Das Institut für vergleichende Irrelevanz hat sich in seinem achtjährigen Bestehen nicht nur zu einem wichtigen sozio-kulturellen Zentrum in der Stadt Frankfurt entwickelt. Vielmehr ist es auch ein zentraler Ort kreativen wissenschaftlichen Denkens und kritischer Auseinandersetzung. Interdisziplinarität, Internationalität und ein produktiver Dialog über die Grenzen der Wissenschaft hinaus – alles erklärte Ziele der Goethe-Universität – sind hier längst Realität. Neben einer großen Vielzahl an anderen Veranstaltungen war das IvI bis heute ein wichtiger Ort für die Kritische Geographie. Drei Forschungswerkstätten des AK Kritische Geographie mit jeweils über 20 Vorträgen und Workshops fanden hier 2009 und 2011 statt. Im Rahmen der von Institut für Humangeographie der Goethe-Universität ausgerichteten International Conference of Critical Geography 2011 bot das IvI einen Raum für Diskussionen, die sich nicht nur an die über 400 Konferenzteilnehmer/innen sondern gezielt auch an ein nicht-akademisches Publikum wandten. Zahlreiche Größen der Stadt- und Raumforschung aus dem In- und Ausland haben in den letzten Jahren im IvI ihre Forschungsergebnisse zur Diskussion gestellt – zu nennen sind hier beispielhaft:

1. Professor Wendy Larner von der Universität Bristol, die im Juni 2009 ihre Gedanken zu Alternativen zum Neoliberalismus vorstellte;

2. Peter Marcuse, Professor Emeritus der Columbia Universität New York, der als Sohn des Frankfurter Schule Mitbegründers Herbert Marcuse besonders erfreut war, in Frankfurt am IvI 2011 so ein kreatives Umfeld zu erleben; sowie

3. Professor David Harvey von der City University of New York, aus guten Gründen der meistzitierte Geograph der Welt, der im Sommer 2009 seine 2010 im akademischen Bestseller „The Enigma of Capital: And the Crises of Capitalism“ erschienenen Krisentheorien erläuterte.

Dieser kreative Ort künstlerischen und wissenschaftlichen Schaffens ist nun durch die Verkaufsentscheidung der Goethe-Universität bedroht.

Eine exzellente Universität braucht Raum für unabhängiges Denken jenseits des kreativitätszersetzenden Drucks von publish or perish, Zielvereinbarungen und befristeten Beschäftigungsverhältnissen. Aus diesen Gründen fordert der AK Kritische Geographie die Goethe-Universität auf, das kreative Labor IvI zu erhalten, indem von einem Verkauf abgesehen wird oder auf dem IG-Farben-Campus gleichwertige Ersatzräume gestellt werden.

Eine tolerante und kreative Stadt braucht Räume für alternatives Leben, Lernen und Kulturschaffen. All dies findet im IvI in einem Maße statt, von dem die Kulturförderung der Stadt Frankfurt nur träumen kann. Der AK Kritische Geographie fordert daher auch die Stadt Frankfurt auf, sich für den Erhalt des Instituts für vergleichende Irrelevanz im Kettenhofweg 130 oder vergleichbaren, von der Universität und/oder Stadt gestellten und unterhaltenen Ersatzräumen einzusetzen!

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