Autonomes FrauenLesbenReferat: Queerfeministische Räume verteidigen!

Stellungnahme des Autonomen FrauenLesbenReferats im AstA der Uni Frankfurt zum Verkauf des Kettenhofweg 130

Wir haben erfahren, dass das Institut für vergleichende Irrelevanz, auch bekannt als IvI, von der Universität Frankfurt an einen bisher unbekannten privaten Investor verkauft wurde.

Seit der Besetzung im Dezember 2003 ist das IvI ein Freiraum, der einen ausdrücklich queerfeministischen Anspruch verfolgt und Antisexismus radikal in die Praxis umsetzt. Viele Einzelpersonen und Gruppen finden im IvI einen Raum zur Auseinandersetzung mit diesen Themen. Hier fand das erste Ladyfest in Frankfurt statt, hier hatte der Frankfurter SlutWalk seinen Ausgang, hier gibt es regelmäßig Veranstaltungen, die Queersein, Feminismus, Sexualität und sexualisierte Gewalt thematisieren. Unzählige Filmvorführungen, Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden und Workshops hierzu wurden im IvI abgehalten und viele weitere sind geplant. Darüber hinaus haben Einzelpersonen und Gruppen im IvI-Umfeld einen enormen Texteoutput zu diesen Themen vorzuweisen. Kaum ein anderer noch existierender Raum in Frankfurt ist derart stark in der queerfeministischen Szene verwurzelt.

Das IvI bietet nicht nur die Möglichkeit des theoretischen Austauschs, es hat durch seine
antisexistischen Standards einen Schutzraumcharakter für tatsächlich von sexualisierter Gewalt, Homo- und Transphobie Betroffene. Viele von ihnen können sich ein Leben ohne das IvI nicht vorstellen, denn dies würde bedeuten, sexualistierten Übergriffen und Gewalt ausgesetzt zu sein, ohne konkrete und niederschwellige Hilfe erfahren zu können, wie es im bedrohten Freiraum durch bedingungslose Solidarität seitens der Mitarbeiter_innen der Fall ist. Das IvI in seiner bisherigen Form zu erhalten, ist für uns deshalb alternativlos.

Mit der vom neuen Eigner vorgeschlagenen Legalisierung der Nutzungsverhältnisse würde für die Nutzer_innen des IvI ein enormer finanzieller Leistungsdruck entstehen, der die politische Arbeit lähmt. Viele Nutzer_innen könnten sich die horrenden Mieten schlichtweg nicht leisten, gerade wenn diese dem allgemeinem Mietwucherniveau angrenzender Quartiere entsprächen.
Diskriminierte Gruppen würden weiter marginalisiert, kriminalisiert und entmündigt, ihre antisexistische Infrastruktur finanziell ausgeblutet. Ein Verkauf des IvI ist darum ein Angriff auf eine antisexistische Infrastruktur und ein Angriff auf alle Betroffenen von sexualisierter Gewalt, egal auf welcher Ebene diese stattfindet und egal wie sich diese äußert. Orte des Rückzugs und der Vernetzung gegen Sexismus gehören nicht privatisiert und, wie uns die Erfahrung lehrt, gewaltvoll geräumt, sondern vehement verteidigt!

Wir bitten alle, die zum Thema Antigewalt, Antisexismus, Antitransphobie und Antihomophobie arbeiten, das IvI in seinem Kampf um die Existenz zu unterstützen und zum Verkauf Stellung zu beziehen, z.B. durch Unterzeichnung dieser Stellungnahme. Neben Solidaritätsbekundungen werden auch Geld und Material benötigt. Genauere Informationen über die aktuelle Lage und Möglichkeiten der Unterstützung findet ihr aktuell und demnächst auf der IvI-Webseite selbst, bzw. werden demnächst von den Nutzer_innen bekannt gegeben.

Über mögliche Aktionen aus dem queerfeministischen Umfeld des Instituts werden wir euch auf
dem Laufenden halten.

Autonomes FrauenLesbenReferat an der Uni Frankfurt, 5.3.2012

(bisher unterzeichnet von der Partei DIE FRAUEN)

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