FR: „Besetztes Institut: Trübe Aussichten für das IVI“

Besetztes Institut:
Trübe Aussichten für das IVI

//

Mit Veranstaltungsreihen und Partys hat sich das Institut für vergleichende Irrelevanz einen Namen gemacht. Seit 2003 halten Studierende das ehemalige Institutsgebäude am Kettenhofweg besetzt. Jetzt hat die Unileitung das Gebäude verkauft. Was nun damit passiert, ist unklar.

Wo auch Irrelevantes vergleichsweise relevant wird: das Haus Kettenhofweg 130.
Foto: Chris Hartung
        

Wo auch Irrelevantes vergleichsweise relevant wird: das Haus Kettenhofweg 130.

Wo auch Irrelevantes vergleichsweise relevant wird: das Haus Kettenhofweg 130.
Foto: Chris Hartung

Wie es weitergeht im Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI), kann zur Zeit niemand sagen. Sicher ist nur: Das seit 2003 besetzte Haus hat einen neuen Besitzer, die Universität hat das Gebäude Kettenhofweg 130 an die Immobiliengesellschaft Franconofurt verkauft. Die Aktiengesellschaft investiert seit Jahren in Häuser in attraktiven, innerstädtischen Lagen – in der Regel stehen in Nord- und Westend allerdings Mietshäuser für mehrere Parteien auf dem Einkaufszettel. Ziel ist, wie die Firma auf ihrer Homepage angibt, im „attraktiven Aufteilergeschäft“ Geld zu verdienen. Ob das im Kettenhofweg funktioniert, ist eher fraglich: Das ehemalige Institut für Amerikanistik und Anglistik ist als Lehrgebäude konzipiert und steht unter Denkmalschutz. Außerdem, wie die Geschäftsführung von Franconofurt frei heraus im Gespräch mit der FR sagt, liege es am „Highway“ Senckenberganlage und sei „extrem hässlich“.

Die Besetzer fühlen sich übergangen

Das Unipräsidium zeigt sich unterdessen ausgesprochen erleichtert über den Verkauf. Zwar fließen Infos darüber auch am Dienstag noch eher zurückhaltend, doch hebt die Persönliche Referentin des Präsidenten, Christine Burtscheidt, hervor, im Rahmen des Abzugs aus Bockenheim sei der Verkauf mittelfristig ohnehin vorgesehen gewesen. Die kurzfristige Entwicklung kam zustande, da noch Mittel zur Finanzierung des neuen Seminarhauses im Westend benötigt wurden. Zum Verkauf, so das Präsidium bereits in einer früheren Mitteilung, gebe es „keine Alternative“. Mit Blick auf „die illegale Besetzung“ stellte man fest, dass die Besetzer das „große Entgegenkommen“ ausgenutzt hätten.

Das sehen die Akteure im IVI anders. Sie prangern die „mangelnde Kommunikationsbereitschaft“ des Präsidiums an und fühlen sich massiv ausgegrenzt. Noch am Montag habe ihnen Vizepräsident Rainer Klump „nichts zu dem Verkauf sagen können“, Infos bekomme man aus der Zeitung. Umgekehrt beklagte Burtscheidt, das Präsidium habe bisher vergeblich versucht, einen namentlichen Ansprechpartner beim IVI zu finden.

Franconufurt „sammelt“ Häuser im Westend

Am Dienstag äußerte die Referentin im Gespräch mit der FR aber Verständnis für die Arbeit im Kettenhofweg: Die kritische Haltung, die dort zum Ausdruck kommt, gehöre zur Wissenschaft. Im Zuge der Standortverlagerung könne sich das Präsidium vorstellen, dass auch künftig Räume für Veranstaltungen des IVI im Studierendenhaus zur Verfügung gestellt würden. Ob das für das IVI eines Tages eine Option ist, konnte ein Sprecher des Instituts am Dienstag nicht sagen. Wesentlich zum Charakter der Arbeit dort gehört das Ambiente des von Ferdinand Kramer errichteten Baus mit seiner „demokratischen Architektur“ – und ebenso die Atmosphäre, die an ein Mittelding zwischen WG und intensiv geführter Raucherkneipe erinnert.

Vom Innenleben des Baus mit 1200 Quadratmetern Nutzfläche konnte sich der neue Besitzer nach eigener Aussage noch kein Bild machen. Der Geschäftsführer äußerte, man wolle das Gespräch mit den Studenten suchen und auch Mietverträge anbieten. Er kann sich vorstellen, im Haus eine Kita unterzubringen, möglicherweise mit Hilfe der Stadt. Auch ein Studentenwohnheim wäre denkbar – wenn die Stadt eine Nutzungsänderung zulasse. Vielleicht interessiere sich aber auch ein Architektenbüro für den Kramer-Bau als Sitz. Die Gerüchte vom Kaufpreis von gut einer Million Euro wollte die Firma nicht bestätigen. Die kolportierten „mehreren Millionen“ seien aber falsch. Als Grund für den Kauf der alles andere als einfachen Immobilie nennt Franconofurt die langfristige Entwicklung und sagt lapidar: „Wir sammeln Häuser im Westend.“ Die Übernahme der Immobilie stehe „im Sommer“ an.

Unglückliche Nachbarn

Darüber dürften am wenigsten glücklich die Nachbarn im Kettenhofweg sein. Die fühlen sich seit Jahren durch den Fetenbetrieb am IVI „terrorisiert“. Vor allem an den Wochenenden gehe es bis in die Morgenstunden laut zu: „Wir haben schon Dutzende Male die Polizei gerufen“, sagt einer der Anwohner, der aber aus Angst seinen Namen nicht in der Zeitung erwähnt sehen will. Polizeisprecher Manfred Füllhardt bestätigte, die Beamten vom 13. Revier seien schon häufiger nächtens ausgerückt, Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Die Anwohner indes sehen die Polizeitaktik kritisch: „Die machen ja praktisch nie was. Die gucken nur.“ Die Beamten vor Ort hätten ihnen erklärt, man fahre eine „Deeskalationstaktik“.

http://www.fr-online.de/campus/besetztes-institut-truebe-aussichten-fuer-das-ivi,4491992,11776822.html

Dieser Beitrag wurde unter Presse veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s