Slutwalk-Gruppe Frankfurt am Main

Die Frankfurter Slutwalk-Gruppe gründete sich mitte Juli im Rahmen der weltweiten Proteste nicht nur gegen die sexistische Aussage des kanadischen Polizisten, Frauen sollten sich nicht „wie Schlampen“ kleiden, um sexuellen Übergriffen zu entgehen, sondern um generell ein  Statement abzugeben zu  dem omnipräsenten Victim Blaming und all den anderen  Vergewaltigungsmythen, für die stellvertretend die Aussage des Polizisten steht.

Der Slutwalk war, wie in diversen Zeitungen verfolgt werden konnte, ein voller Erfolg; eine große, lautstarke Demonstration mit ungefähr 800 Teilnehmer*innen durch die komplette Frankfurter Innenstadt und breiter Resonanz bei den Umstehenden.
In den Redebeiträgen wurde über Prostitution, Rassismus,  Vergewaltigungsmythen, christliche Fundamentalist*innen und Definitionsmacht gesprochen, alles aus feministischer Perspektive, um eine Alternative zu bieten zum herrschenden sexistischen Meinungsdiskurs.

Ohne die Strukturen des 2003 besetzten Instituts für vergleichende Irrelevanz wäre die zeit-und arbeitsintensive Organisation des Slutwalk  jedoch nicht möglich gewesen: als Raum, der eine Akzeptanz von einer  Vielzahl von Geschlechtlichkeiten und Sexualitäten fordert und fördert, genauso wie das Experimentieren mit dem eigenen Geschlecht und einer alternativen Gestaltung des solchen, bot es uns einen passenden Raum für unser Vorhaben.

Seit seiner Besetzung bietet das IvI Raum für Vorträge, Lesekreise, Partys und Konzerte, aber auch für einen theoretischen Austausch mit Gruppen und Einzelpersonen, so dass wir als Slutwalk enorm von diesen intellektuellen Einflüssen profitieren konnten.

Des weiteren wurde uns logistischer Unterschlupf geboten; wir nutzten die  Räumlichkeiten des Institutes nicht nur für Informationsveranstaltungen und Vernetzungstreffen, sondern auch, um Transparente zu malen und unsere Materialen aufzubewahren. Zudem hätte der Slutwalk ohne die großzügigen finanziellen Unterstützungen des IvI gar nicht erst statt finden können.

Auch in Zukunft sind wir auf das IvI angewiesen – zum Planen von Workshops oder zum vorbereiten des Slutwalks diesen Jahres. Denn, wie gesagt – kein Slutwalk ohne IvI.

Wir als Gruppe lehnen auch das Angebot der Firma Franconofurt, welche das IvI gekauft
hatte, ab, Mietverträge einzugehen. Leider ist es innerhalb der kapitalistischen
Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit, über Räume zu verfügen, in denen kritische
Wissenschaft geleistet werden kann. Deswegen mussten sich diese erkämpft und Tag für
Tag verteidigt werden.
Kritisches Denken braucht Zeit und Raum, und wir sind nicht bereit, uns den herrschenden
Strukturen mehr als nötig zu beugen, in dem wir auch noch auf die Forderungen nach
Miete eingehen, das IvI bleibt besetzt!

Die Frankfurter Slutwalk-Gruppe sprechen uns explizit gegen den Verkauf der Räumlichkeiten des Kettenhofweg 130 aus – wir brauchen Räume, in denen Zweigeschlechtlichkeit kein Zwang ist, in dem tagtäglich Sexismus, Rassismus und Antisemitismus der Kampf angesagt wird.

Wir brauchen Räume, in denen sexuelle Übergriffe auf Partys nicht geduldet, sondern sanktioniert werden.
Wir brauchen Räume, in denen es nicht nur die Jungs sind, die an den Gitarren und hinter dem DJ-Pult stehen.
Wir brauchen Räume, in denen Wissenschaft feministisch betrieben wird.
Wir brauchen das Institut für vergleichende Irrelevanz.

Slutwalk-Gruppe Frankfurt am Main

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