Campus Antifa

Das Gebäude des Instituts für vergleichende Irrelevanz (IvI) im Kettenhofweg 130 wurde von der Universitätsleitung an das Immobilienunternehmen Franconofurt AG verkauft. Das seit 2003 besetzte Gebäude ist über die Jahre zu einem nicht mehr wegzudenkenden Ort für die Entwicklung und Verbreitung kritischen Denkens und Handelns geworden, das sich gegen die herrschenden (deutschen) Zustände richtet, – und nun akut in seiner Existenz bedroht.

Hintergrund des Verkaufs ist die schon lange feststehende Entscheidung der Uni-Leitung, den Campus Bockenheim als Standort der Universität zu räumen und die dort ansässigen Institute und Organe in diverse Neubauten auf den IG-Farben-Campus zu verfrachten. In Bockenheim soll dann, so die Pläne der Stadt, der sogenannte „Kulturcampus Frankfurt“ entstehen – ein Projekt, das verspricht, viel Geld in verschiedenste Kassen zu spülen und Grundstücks- und Immobilienpreise weiter anzuheben; die Gelegenheit will Franconofurt sich scheinbar nicht entgehen lassen.

Die Uni-Leitung versucht den Verkauf zu rechtfertigen und die Nutzer_innen zur Räson (d.h. zur freiwilligen Aufgabe des Gebäudes) zu bringen, indem sie darauf verweist, dass der Erlös des Verkaufs für den guten Zweck gebraucht würde, Seminargebäude auf dem IG Farben-Campus zu bauen. Dieses ‚Argument’ ist angesichts des eklatanten Dilettantismus, mit dem der Bau der neuen Uni-Gebäude ge- oder besser: verplant wurde, lächerlich, doch leider geht es längst nicht mehr um Argumente – es wurden Fakten geschaffen. Ein Sprecher der Franconofurt AG ließ der FAZ gegenüber zur kostenlosen Nutzung des Gebäudes verlautbaren: „Niemand kann sich kostenlos dort lange aufhalten“ – und dem Image des Unternehmens nach zu urteilen ist das keine leere Drohung.

Was für Franconofurt ein profitables Schnäppchen ist, ist für uns und andere Nutzer_innen des IvI’s ein notwendiger Ort, um sich auszutauschen, Kritik zu üben und zu versuchen, dem herrschenden Wahnsinn eine selbstbestimmte, widerständige Praxis entgegenzusetzen. Deshalb solidarisieren wir uns mit dem Institut für vergleichende Irrelevanz und jeglichen Anstrengungen, die dazu beitragen, es zu erhalten, denn Gesellschafts- und Herrschaftskritik in Theorie und Praxis braucht einen Raum (und Zeit) zum diskutieren und zum organisieren. (Dass es um eine solche Kritik in der aktuellen Lage schlecht bestellt ist, zeigt allein der Umstand, dass der Frankconofurt AG zu dem von Ferdinand Kramer im Sinne seiner gegen den Nationalsozialismus gerichteten ‚demokratischen Architektur’ erbauten Gebäude nichts besseres einfällt, als es für „extrem hässlich“ zu erklären; FR 07.03.) Der Uni-Leitung und der Franconofurt AG sei deshalb an dieser Stelle auch unsererseits versichert, dass wir das IvI nicht kampflos aufgeben werden!

Dieser Beitrag wurde unter Solidaritätsbekundungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s