TuCa (TurmCafé)

Der Erhalt des Institutes für vergleichende Irrelevanz im Kettenhofweg 130 ist akut bedroht! Dies bedeutet einen unermesslichen Verlust kritischer, selbstverwalteter Wissenschaft und studentischer Selbstbestimmung!

Deshalb erklären wir, das TuCa, hiermit unsere Solidarität in Bezug auf die Initiativen und Forderungen für den Erhalt des Institutes für vergleichende Irrelevanz.

Das TuCa, kurz: TurmCafé, ist ein von StudentInnen selbstverwaltetes Café, im 5.Stock des AfE-Turms. Wie das IVI, blickt auch das TuCa auf eine längere Geschichte zurück: Schon während der Bildungsproteste 1988/89 wurde erstmals ein selbstverwaltetes Café im Erdgeschoss des AfE-Turms errichtet, welches, bis zur Räumung im Jahr 2002, seinen Standort verteidigen konnte. In den Folgejahren verblasste die Idee  bzw. Umsetzung des autonomen Cafés, bis das heutige TuCa aufgrund der Initiative einiger StudentInnen 2007 wieder zum Leben erweckt wurde. Seitdem ist das TuCa für viele Menschen ein Ort der Erholung mit gutem Kaffee zu angemessenen Preisen neben dem reglementierenden, straffen Studienalltag. Aber vielmehr ist es ein Raum für unabhängige Gespräche und für Gedankenaustausch, gegenüber der zunehmenden Verflachung des  Reflexionsniveaus innerhalb des regulären Studienbetriebes. So arbeiten alle MitarbeiterInnen unentgeltlich, die Einnahmen kommen politischen Projekten zugute.

Nicht zuletzt mit der Umstrukturierung des Bildungssystems im Zuge der Bologna Reform sind schwerwiegende Veränderungen für die Freiheit und Selbstbestimmung der StudentInnen innerhalb aller Bildungsinstitutionen aufgetreten. Für die Leitungen der Hochschulen, die sich dem nahezu widerstandslos fügten, bedeutet die Umstrukturierung in erster Linie finanzielle und wettbewerbsorientierte „Vorteile“. Wirkungsvolle Mitbestimmungsmöglichkeiten von Seiten der StudentInnen bleiben hierbei auf der Strecke. Die Hochschulleitung präsentiert sich als unantastbare Autorität – fortwährend setzt sie eine hierarchische Organisation gegen die breite demokratische Mitbestimmung der StudentInnen durch. Mit dem Umzug der Goethe Universität vom Campus Bockenheim auf den IG-Farben Campus werden die ökonomischen Interessen der Uni-Leitung verstärkt forciert. So sehen sich bereits heute vor allem die Sozial-und Geisteswissenschaften einem rigorosen Verwertungszwang ausgesetzt.

Innerhalb dieser Prozesse, werden all diejenigen StudentInnen in ihrer Autonomie beraubt, die kritisch studieren und leben wollen. Es scheint ein Typus Studierender angestrebt zu werden, welcher weder fragt, noch kritisiert, noch initiativ ist – so lange es nicht unseren werten Sponsoren zum Wohle gerät.

Mit dem Verkauf des IVI’s beschreitet die Goethe Universität Frankfurt einen weiteren Schritt  zur durch und durch ökonomisierten Hochschule. Fatale Studienbedingungen, beschränkte Zulassungsverfahren, fehlender studentischer Wohnraum, überfüllte Hörsäle, Studiengebühren, fehlende Masterplätze usw.  seien dabei nur am Rande erwähnt:
Der Verkauf des IVI’s ist vor allem ein klares Indiz dafür, wie sich die Zukunft von Forschung und Lehre an der Goethe Universität entwickelt: Unkritisch, angepasst und zwangsverordnet. Mit Einbeziehung der zunehmenden Einschränkung von Fachschaftsräumen, TuCa, Frauencafé, Elternräumen etc. auf dem IG.Farben Campus, spricht sich die Hochschule zudem gegen emanzipatorische Projekte in Bezug auf Queer- und Genderforschung aus: Dies betrifft nicht zuletzt die unabhängige Bibliothek translib des Instituts für vergleichende Irrelevanz.

Das IVI hat sich, nicht nur für die viele StudentInnen, als Ort kultureller und politischer Arbeit herausgebildet: auch die Stadt  Frankfurt profitiert von einem nicht kommerziellen und bunten Ort. Soziale und ethnische Herkunft, Geschlecht und Alter spielen im IVI keine Rolle.  Dies nicht zuletzt, weil die Menschen dort ihre Prinzipien konsequent durchsetzen welche auch an jeder Hochschule maßgeblich sein sollten. Das IVI kämpft gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und gegen weitere diskriminierende Haltungen. Um so mehr steht es all denjenigen offen, die sich nicht vom Sog der gleichgeschalteten Bildungsreformen angesprochen fühlen. So finden im IVI Lesungen, Partys, Arbeitskreise, Diskussionen uvm. nicht nur aus einer klaren Gegenpositionierung zum regulären Studienbetrieb statt, sondern auch aus dem Motiv, Wissenschaft und Bildung anders gestalten zu wollen und zu können.

„Jacques Derrida hat die Universität einmal als einen Ort beschrieben, an dem nichts außer Frage stehen dürfe und der deshalb eine besondere Immunität verdiene. Für Frankfurt wünscht man dieser Idee wieder mehr Sympathie.“  (Thiel, Thomas: Institute for Theorieschwund. In: FAZ vom 01.03.2012)

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