AStA der Uni Hamburg

ASTA-PRESSEMITTEILUNG | 20.03.2013 // Keine Räumung selbstverwalteter Kulturzentren
SOLIDARITÄT MIT DEM „INSTITUT FÜR VERGLEICHENDE IRRELEVANZ“ (FRANKFURT AM MAIN)

Der AStA der Universität Hamburg solidarisiert sich mit dem von Räumung bedrohten „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) und fordert die Stadt Frankfurt/Main dazu auf, gegen die Zerstörung selbstverwalteter Projekte Position zu beziehen. Das IvI muss bleiben!

Das im Rahmen von Studierendenprotesten besetzte Universitätsinstitut kann mittlerweile auf eine fast zehn-jährige Vergangenheit zurückblicken, die geprägt ist von einer Dichte an selbstorganisierten kulturellen und politischen Veranstaltungen. Viele für Forschung, Lehre und Gesellschaft wichtige Impulse hätte es ohne das IvI in den letzten Jahren nicht gegeben. Ob Lesekreise, Konzerte, Workshops, Kongresse, Vorträge, Arbeitsgruppen, selbst-verwaltete alternative Bibliotheken und Archive, Kunstausstellungen, Tutorien, Filmvorführungen: ohne das IvI wäre nicht nur die universitäre Landschaft Frankfurts in den letzten Jahren deutlich langweiliger gewesen. Und vor allem opportunistischer. Denn in Zeiten der neoliberalen Zurichtung der Universitäten zu verwertungsorientierten Ausbildungsfabriken ist es umso notwendiger, dass kritische Wissenschaft betrieben wird. Mit der jährlich statt-findenden, überregional erfolgreichen „Gegen-Uni“ wirkt das IvI positiv in die Gesellschaft hinein und bildet einen unkommerziellen, solidarischen Gegenpol zum kapitalistischen Normalzustand. Doch diese „Insel, in der vorgelebt wird, dass es auch anders geht“ (Prof. Dr. Micha Brumlik, Goethe-Universität Frankfurt/Main) ist nun bedroht.

Nachdem das Gebäude im Jahr 2012 in intransparenter und den Studierenden gegenüber unfairer Weise an das berüchtigte Immobilienunternehmen Franconofurt AG verkauft wurde, steht dem IvI nun eine Räumung ins Haus. Wenn es nach den Stadtoberen und in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise prosperierenden Immobi-lienunternehmen geht, sollen dort, wo sich heute das IvI befindet, luxuriöse Eigentumswohnungen gebaut werden. Dies steht symptomatisch für eine kapitalistische Stadtentwicklung, bei der die meisten Menschen auf der Strecke bleiben: vor allem Studierende, Geringverdienende und Empfängerinnen und Empfänger von Transferleistungen können die in den letzten Jahren auf astronomische Höhen gestiegenen Mieten in Frankfurt kaum noch begleichen.

Und auch in Hamburg spitzt sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt seit Jahren drastisch zu. So fehlen laut offiziellen Statistiken mindestens 90.000 Wohnungen, um wenigstens den akuten Bedarf zu decken, während gleich-zeitig die durchschnittliche Nettokaltmiete, erst recht bei Neuvermietungen, auf immer neuere Rekordhöhen klettert. Das erschreckende Ergebnis: Wohnraum ist in Hamburg für weite Teile der Bevölkerung nicht mehr bezahl-bar. Der SPD-Regierung scheint dieser Umstand trotz gegenteiliger Wahlversprechen egal zu sein. So werden pro Jahr viel zu wenig bezahlbare Wohnungen gebaut und ganze Stadtteile gezielt aufgewertet. Zusätzlich wird Jahr für Jahr etlichen Sozialwohnungen die Mietpreisbindung entzogen: in den letzten 20 Jahren hat sich der Bestand des Sozialen Wohnungsbaus um katastrophale 51 Prozent reduziert. Netzwerke wie „Recht auf Stadt“ kämpfen in Hamburg seit langem für eine solidarische Stadt, in der die Bedürfnisse der Menschen zählen und nicht Profitmaximierung. Denn: Die Stadt gehört allen.

Nicht nur in Hamburg sieht sich die kapitalistische Stadtentwicklungspolitik seit einigen Jahren mit Widerstand konfrontiert. In Frankfurt haben unzählige Hausbesetzun-gen, Demonstrationen und Direkte Aktionen in den letzten Wochen gezeigt, dass sich das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ nicht so einfach wird räumen lassen. Hunderte Solidaritätserklärungen von Studierendenvertretungen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sowie Kunst- und Kulturschaffenden aus der ganzen Bundesrepublik machen deutlich, welchen starken Rückhalt das IvI in der Bevölkerung genießt.

In Frankfurt wird bereits massiv für eine Demonstration am Tag nach der Räumung mobilisiert. Der AStA der Universität Hamburg ruft dazu auf, sich an dieser zu beteiligen und klarzumachen, dass Freiräume nicht erbettelt, sondern erkämpft werden. Ob in Hamburg oder Frankfurt: Wir werden uns unser Recht auf Stadt nehmen!

Nähere Informationen zum „Institut für vergleichende Irrelevanz“: http://www.ivi.copyriot.com/

http://www.asta-uhh.de/home/home-detail/article/asta-pressemitteilung-20032013-keine-raeumung-selbstverwalteter-kulturzentren.html

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